Wann beginnt ein Führungsproblem eigentlich?
Beginnt ein Führungsproblem wirklich erst dann, wenn wir es bemerken?
Nehmen wir eine eigentlich ziemlich gewöhnliche Situation aus dem Führungsalltag. Ein Mitarbeiter bringt sich kaum noch ein, seine Leistung lässt nach oder die Zusammenarbeit wird zunehmend schwieriger. Irgendwann fällt das auf und die Führungskraft reagiert. Sie beobachtet genauer, sucht das Gespräch und versucht herauszufinden, was eigentlich los ist.
Dagegen ist zunächst wenig einzuwenden, denn natürlich gehört es zu Führung, auf solche Entwicklungen zu reagieren.
Ich habe mich allerdings gefragt, ob wir damit gedanklich nicht häufig ziemlich spät einsteigen. Nämlich dort, wo eine Entwicklung bereits so weit fortgeschritten ist, dass wir sie wahrnehmen.
Nehmen wir einen Mitarbeiter, der kaum noch eigene Ideen einbringt.
Vielleicht hat er schon vorher begonnen, seine Vorschläge weniger ausführlich zu erklären. Möglicherweise hat er mehrmals erlebt, dass seine Ideen zwar angehört, aber selten aufgegriffen wurden. Irgendwann kam er vielleicht zum Schluss, dass es einfacher ist, auf einen Auftrag zu warten, als immer wieder einen anderen Weg vorzuschlagen.
Ob es tatsächlich so war, wissen wir nicht. Es könnte genauso gut ganz andere Gründe für sein Verhalten geben.
Interessant finde ich deshalb weniger die mögliche Erklärung als die Frage, die entsteht, wenn wir eine solche Entwicklung einmal rückwärts betrachten.
An welcher Stelle hätte ich eigentlich gesagt: Jetzt beginnt meine Führungsarbeit?
Wir beschäftigen uns im Führungsalltag zwangsläufig häufig mit dem, was bereits sichtbar geworden ist. Wir führen ein Gespräch, weil die Leistung nachgelassen hat, klären einen Konflikt, weil die Zusammenarbeit darunter leidet, oder sprechen fehlende Initiative an, weil wir sie vermissen.
Ich denke allerdings, dass Führung bereits lange vorher Einfluss nimmt. Durch Entscheidungen, Reaktionen, Erfahrungen und die Art, wie Zusammenarbeit über längere Zeit gestaltet wird.
Das bedeutet nicht, dass Führungskräfte für jedes Verhalten ihrer Mitarbeitenden verantwortlich sind. Menschen treffen ihre eigenen Entscheidungen und tragen dafür auch Verantwortung.
Für mich lohnt es sich trotzdem, bei einem Verhalten, das mich beschäftigt, nicht nur auf das sichtbare Ergebnis zu schauen. Mich interessiert zunehmend auch, was in der Zeit davor passiert ist.
🔎 Reflexionsimpuls
Wie viel meiner Führungsarbeit besteht darin, auf bereits entstandene Situationen zu reagieren? Und wie häufig beschäftige ich mich mit den Bedingungen, unter denen sie entstanden sind?





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