Gemeinsam Ziele vereinbaren statt einseitig vorgeben!

Aktualisiert: 6. Mai





Begleitartikel zur Podcast-Folge 22. "Vereinbarst du Ziele?"



Mit Zielen streben wir danach, eine Veränderung in der Zukunft zu verwirklichen. Der Unterschied zu einem Wunsch oder Wunschdenken, liegt in der Absicht Handlungen zu unternehmen, um die Erreichung des angestrebten Zustandes zu verwirklichen.

Ein Zustand gibt die Wahrnehmung und Gefühlslage eines Menschen wieder, im Moment, in welchem das Angestrebte zur Wirklichkeit wird.


Bei einer sportlichen Zielsetzung mag der Moment einfach vorstellbar sein. Beispielsweise das Befinden, die Gefühle im Moment der Zielüberquerung nach einem Marathon. Ein Bild das man von sich selbst im Kopf generieren kann. Dieses Bild, diese Vorstellung des Moments, in welchem das Angestrebte erreicht wurde, ist unser Treiber, setzt Prioritäten und aktiviert Energie, um Handlungen vorzunehmen damit dieser Zustand erreicht wird.

In geschäftlichem Zusammenhang kann dies ungemein schwieriger sein. Vorgegebene Ziele wie Abverkaufszahlen, Erträge, Konstruktionen, Arbeitsvolumen oder Kundenreaktionen sind dabei die Masseinheit, welche den Moment aus betrieblicher Sicht erkennen lassen, sie sind nicht der Zustand des Mitarbeitenden. Deshalb werden solche Vorgaben mit Anreizen wie Bonuszahlungen versehen, um der Person dahinter die Möglichkeit zu geben, einen persönlichen Bezug herzustellen und einen Nutzen zu erhalten. Ist das Ziel einmal erreicht worden, kann bei einem Folgeziel die Wirkung durch die Verlustangst, keinen erneuten Bonus zu erhalten, noch gesteigert werden.


Das Problem: Der Bonus ist ein Köder, quasi eine Verlegenheitsbeigabe, denn die betriebliche Zielsetzung für sich allein beinhaltet weder eine persönliche Komponente noch einen Sinn für die damit beauftragte Person. Dementsprechend wird das Engagement so ausgelegt sein, mit möglichst geringem Aufwand die Zielsetzung zu erreichen und schon gar nicht darüber hinaus zu performen.


Daran ändert auch die Tatsache nichts, vorgegebene Ziel auf dem Papier mit dem Titel Zielvereinbarung zu versehen und Mitarbeitende unterzeichnen zu lassen.

Äussere Anreize wie Belohnungen durch Bonis oder Bestrafungen durch Sanktionen, versehen die Tätigkeit der Mitarbeitenden zwar mit Konsequenzen, aber nicht mit Sinn. Einen Sinn und einen persönlich Nutzen aus einer Zielsetzung ziehen zu können, ist eine wichtige Grundlage für ein Gefühl der Erfüllung und damit die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Daher sollen Ziele gemeinsam vereinbart, statt einseitig vorgegeben werden.


Ein Ziel wirklich zu vereinbaren, bedeutet die Mitarbeitenden in den Entwicklungsprozess einzubinden und es ihnen zu ermöglichen, persönliche Interessen und Motive einfliessen zu lassen, um diese mit den betrieblichen Zielen zu koppeln. Damit erhält die Zielsetzung einen Wert für die damit beauftragte Person, eine Möglichkeit die eigenen Motive zu verwirklichen, eine selbst gewählten Zustand zu erreichen und damit gleichzeitig die betrieblichen Interessen abzudecken.


Dadurch werden ebenfalls Ausgangslage, Ressourcen und mögliche Hindernisse aus der Perspektive der Mitarbeitenden sichtbar. Eine nicht zu unterschätzende Quelle an Informationen.


Natürlich können die betrieblichen Aspekte und Bedürfnisse nicht einfach ins Bodenlose heruntergeschraubt und allen Wünschen untergeordnet werden. Ironischerweise wird bei einer reinen Zielvorgabe aber genau dies von Seiten des Mitarbeitenden vorausgesetzt. Diese Haltung, obwohl immer noch weit verbreitet, ist nicht mehr zeitgemäss und trägt den Ansprüchen der heutigen Arbeitnehmenden keine Rechnung. Ein Vorgehen, dass in der aktuellen Situation von Mangel an qualifizierten und kompetenten Mitarbeitenden fatale Auswirkungen auf die fachlichen Ressourcen und Kompetenzen eines Unternehmens haben kann. In Anbetracht, dass sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren noch verschärfen wird, ist es höchste Zeit für einen Kurswechsel, welcher die Mitarbeitenden in die Definition ihrer Zielsetzungen wirklich einschliesst.


Wahre Zielvereinbarungen benötigen Zeit und den Willen, wirklich über die verschiedenen Aspekte zu verhandeln. Die eigenen Mitarbeitenden, ihre Interessen und Motive kennen zu lernen, sich mit ihnen zu beschäftigen und diesen ehrlich Rechnung zu tragen kann eine Herausforderung darstellen.


Doch Führungskraft wird man nicht um langweilige Routineaufgaben zu managen, sondern um sich mit den Menschen zu befassen, die mit einem zusammenarbeiten.


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